Samstag, 2. Mai 2020

2. Mai 2020: von der Schwachheit


Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.
(Römer 8:26 // Schlachter 2000)

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit Freunden über das Beten unterhalten. Jeder hat da seinen eigenen Stil und seine eigene Methode. Morgens oder abends, laut oder leise, alleine oder in Gemeinschaft mit anderen, im Sitzen, Stehen oder Liegen, selten oder häufig, lang oder kurz. Ich finde die Vielfalt spannend … und ich glaube auch, dass Gott sich an dieser Vielfalt freut, sonst hätte er uns Menschen nicht so unterschiedlich gemacht.

Eines aber kann ich aus Erfahrung sagen, es kommt im Leben manchmal eine Zeit, da willst du nicht beten oder du kannst es nicht. Manchmal fehlen einem die Worte, oder die Emotionen schlagen wie hohe Wellen über einem zusammen. Kein klarer Gedanke im Kopf, kein strukturiertes Gebet in der Formulierung, kein Wort will über die Lippen kommen.

Ist es nicht wunderbar, dass Gott uns auch in dieser Situation nicht alleine lässt? Wir müssen nicht zu bestimmten Uhrzeiten jeden Tag bestimmte Gebete abspulen, wie es in anderen Religionen vorgeschrieben ist. Bei uns steht die BEZIEHUNG mit dem lebendigen Gott durch seinen Sohn Jesus Christus im Vordergrund, nicht ein Regelwerk oder ein Gesetzeskodex. Und zu alledem hat uns Jesus, wie er es versprochen hat, seinen Heiligen Geist hinterlassen.

Und dieser Geist hat eine wunderbare Wirkung in uns; nicht nur erklärt er uns das Wort Gottes, er arbeitet auch zusammen mit unserem Gewissen, um uns nötigenfalls der Sünde zu überführen. Genauso tröstet und forscht und erinnert uns der Geist Gottes, er gibt Zeugnis und erinnert uns. Hier im Römerbrief nennt uns der Apostel Paulus zusammen mit seinem Co-Author Tertius noch eine wichtige Aufgabe des Heiligen Geistes: wenn wir mal nicht mehr wissen, was wir beten sollen (oder können, ergänze ich hier), dann übernimmt er für uns das Gebet. Ist es nicht wunderbar, wie Gott das eingerichtet hat?

Frage: wie kann ich dem Heiligen Geist mehr Raum in meinem Leben geben? Wie kann ich Gott darum bitten, dass er mir noch mehr von seinem Geist schenkt? Wie kann ich mein Leben mehr und mehr nicht aus meiner eigenen, menschlichen, beschränkten Kraft heraus sondern aus Gottes unendlicher Kraft durch seinen Geist leben?


Photo by Yasin Arıbuğa on Unsplash

Freitag, 1. Mai 2020

1. Mai 2020: vom sanften Säuseln


Er aber sprach: Komm heraus und tritt auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr ging vorüber; und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht in dem Erdbeben.
Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer kam die Stimme eines sanften Säuselns.
Und es geschah, als Elia dieses hörte, da verhüllte er sein Angesicht mit seinem Mantel, und er ging hinaus und trat an den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm, die sprach: Was willst du hier, Elia?
(1. Könige 19:11-13 // Schlachter 2000)

Ich dachte mir schon, mit der Überschrift liest das sicher jeder. Das sanfte Säuseln. Was hat das in der Bibel verloren? Aber genau so steht es da, in der Geschichte vom Propheten Elia. Gott präsentiert sich ihm … aber nicht als Wind … oder als Erdbeben … oder als Feuer … sondern mit der Stimme eines sanften Säuselns. Andere übersetzen das mit einer leisen Stimme, einem weichen Flüstern, einer sanften Brise. Das hebräische Wort an der Stelle ist etwas lautmalerisches, wie auch die flüsternde Stimme in Hiob 4:16.

Der Gott des Universums, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Berge zerreißen und Felsen zerbrechen kann, begegnet seinem Diener, seinem Sprachrohr, dem Propheten Elia als ein sanftes Säuseln. Ich bin mir sicher, Gott kann auch anders. Aber hier lohnt es sich, das ganze Kapitel oder noch besser, die ganze Geschichte von Elia zu lesen. An dieser Stelle wird er gejagt, läuft davon, und er ist frustriert. Am liebsten möchte er sterben. Aber Gott versorgt ihn 40 Tage und Nächte mit Essen und Trinken. Und dann tut er sich immer noch leid. Daraufhin begegnet ihm Gott und macht ihm klar … Gott ist immer noch Gott und auch in der schwierigen Zeit des Propheten Elia gibt es 7000 Menschen, die ihre Knie noch nicht vor dem falschen Gott Baal gebeugt haben. Elia ist nicht alleine!

Frage: Fühle ich mich auch manchmal so? Ungeliebt, verfolgt, alleine auf weiter Flur? Vielleicht kann ich es in solchen Situationen gar nicht begreifen, dass Gott mich trotzdem erhält. Wie kann ich mir Zeit nehmen um auf Gott zu hören, auch wenn er mir nur in einem sanften Säuseln begegnet? Wie stelle ich den Lärm der Welt, die Gedanken im Kopf, das Handy, die Mitmenschen ab um zu realisieren „meine Zeit steht in deinen Händen“ und „nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir“?


https://www.pbs.org/wgbh/nova/article/dandelion-seed-flight/

Donnerstag, 30. April 2020

30. April 2020: vom Zuhören


 Rede, Herr, denn dein Knecht hört!
(1. Samuel 3:9 // Schlachter 2000)

In der Geschichte am Anfang des Buches Samuel rät der alte Priester Eli dem jungen Tempeldiener Samuel, wie dieser Gott antworten soll, wenn er ihn rufen hört. Das ist ein guter Ansatz, denn Samuel kennt die Stimme Gottes noch nicht und hatte in der überlieferten Geschichte erst gedacht, dass Eli ihn ruft.

Wenn Gott uns ruft, dann ist der obige Satz genau die richtige Antwort. Im Zwiegespräch mit Gott ist es hilfreich, erst einmal innezuhalten und Gott reden zu lassen. Er hat uns zwei Ohren und nur einen Mund gegeben, also sollten wir vielleicht generell doppelt so viel zuhören wie selber reden. Das Wort Gottes mag selten sein in diesen unseren Tagen, weil wir nicht willens oder bereit sind, ihm zuzuhören.

Oft trete ich im Gebet vor Gott und sage ihm „Hör zu, Gott, denn dein Knecht redet.“ Und dann kommt eine Litanei von Danksagungen und Fürbitten und allem möglichen, das mir an der Stelle wichtig ist. Dinge die mir (!) wichtig sind. Im Gespräch zwischen einem Knecht und seinem Herrn geht es sicherlich anders zu. Da ist die Hierarchie klar. Wir sind aber Gottes Kinder, und nicht seine Knechte. Deshalb dürfen wir uns auf ein Zwiegespräch mit ihm einlassen. Dazu gehört das Reden, aber auch das Zuhören.

Frage: Rede ich mit Gott und bringe meine Wünsche vor … oder gebe ich ihm, dem Schöpfer des Universums, auch Zeit, mir zu antworten? Beschäftige ich mich mit den Dingen, die mir wichtig sind, oder versuche ich herauszufinden, was Gott wichtig ist? Gebe ich ihm die Zeit, die er verdient, und höre ich ihm in einer demütigen Haltung zu?


Quelle: https://www.churchofjesuschrist.org/manual/old-testament-stories/chapter-25-samuel?lang=deu

Mittwoch, 29. April 2020

29. April 2020: vom Gebet


Betet ohne Unterlass!
(1. Thessalonicher 5,17 // Schlachter 2000)

Das ist eine Aufforderung von Paulus (und Silvanus und Timotheus, Paulus hatte Mitstreiter und Mitschreiber, die wir nicht unterschlagen dürfen) an die Gemeinde der Thessalonicher. Eingebettet zwischen zwei ähnlich kurzen Aufforderungen zur Freude und zur Dankbarkeit fordert er nun die Gemeinde auf, ohne Unterlass zu beten, also beständig im Gebet zu sein oder im Gebet nicht nachzulassen.

„Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung.“ So habe ich es Anno 1983 (?) in Bad Liebenzell im Konfirmandenseminar auswendig gelernt. Das müsste direkt aus Luther’s Kleinem Katechismus sein.

Es gibt Zeiten, da bete ich mehr, und es gibt Zeiten, da bete ich weniger. Eigentlich habe ich eine Liste von Gebetsanliegen. Da geht es um Menschen und Themen und Dinge, die mich bewegen. Eigentlich möchte ich mir mindestens einmal am Tag Zeit nehmen, um vor meinen Schöpfer zu treten, um diese Dinge mit ihm anzusprechen. Manchmal klappt das, und manchmal klappt das nicht. Wenn ich mir Jesus als mein Vorbild anschaue, dann hat er sich vor wichtigen Entscheidungen oder Ereignissen immer Zeit genommen, um mit seinem Vater ins Gespräch zu gehen. Da muss ich echt noch an mir arbeiten.

Frage: Wie ist mein Gebetsleben? Wie wichtig ist mir das Reden des Herzens mit Gott? Nehme ich mir Zeit dafür … oder gibt es nur ein kurzes Gebet vor dem Essen und ein kleines Wort zur Nacht? Was kann ich tun, um die Kommunikation mit meinem Schöpfer zu verbessern?



Sonntag, 26. April 2020

26. April 2020: vom lebendigen Wort Gottes


Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.
(Hebräer 4:12+13 // Schlachter 2000)

Es ist wahrlich die größte Geschichte aller Zeiten. Ein Buch, eigentlich eine Sammlung von 66 Büchern, geschrieben in drei Sprachen von über 40 Autoren über einen Zeitraum von etwa 1500 Jahren. Es gibt ein Thema (Jesus Christus), ein Problem (die Sünde), und eine Lösung (den Heiland).

Vor allem aber ist das Wort Gottes lebendig, wie uns der namentlich nicht genannte Autor des Hebräer-Briefs zuruft. Und es ist wirksam und scharf, es richtet, es enthüllt, und es deckt auf. Welches Werk kann das schon von sich behaupten?

Gott hat uns dieses wunderbare Werk nicht nur gegeben, dass wir gelegentlich mal reinschauen und einzelne Verse auf uns anwenden. Nein, ich bin fest überzeugt, dass wir diese einmalige Heilsgeschichte von vorne bis hinten, von Genesis bis Offenbarung, kennen sollten. Dieses Wort kann Leben verändern, Wunder bewirken, und es kann die Gedanken in unserem Kopf und die Gesinnung in unserem Herzen richten.

Frage: nehme ich das Wort Gottes ernst? Gebe ich Gott und seinem gesamten Wort die Zeit, den Raum, die Ehre die Ihm gebührt? Was kann ich tun um tiefer einzutauchen in Gottes Offenbarung für uns Menschen?



Freitag, 24. April 2020

24. April 2020: vom Gerechten und vom Ungerechten


Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt es regnen über Gerechte und Ungerechte.
(Matthäus 5:45 // Schlachter 2000)

Genauso wie es Reiche und Arme auf dieser Welt gibt, und Gott sie alle gemacht hat, gibt es auf dieser Welt böse und gute Menschen, und es gibt gerechte und ungerechte Menschen. Die Sonne geht auf, und sie scheint auf alle Menschen. Genauso ist es mit dem Regen. Er unterscheidet nicht zwischen dem Ackerfeld eines gerechten und eines ungerechten Bauern.

Das finde ich manchmal nicht fair. Im Alten Testament lag auf der Familie und später dem Volk Gottes immer ein besonderer Segen, wenn sie sich nur an seine Gebote hielten. Gott gab seinem Volk Frieden und Land, Regen für die Felder und reichlich Ernte zur Speise. Gut, wenn sie gegen seine Gebote verstießen und wenn jeder wieder einmal tat, was in seinen eigenen Augen richtig war (wie es im Buch Richter immer wieder heißt), dann gab es auch Ärger, richtigen Ärger.

Manchmal hätte ich gerne, dass Gott heute auch noch so tickt. Bei uns im Garten blüht alles wunderbar, und beim Nachbarn zwei Straßen weiter, der mit dem Glauben so gar nichts anfangen kann, ist eine Wüstenlandschaft im Garten. Aber wir hören hier von Jesus, dass es eben nicht so ist. Gottes Pläne kennen wir nicht, und deshalb muss Sein Handeln für uns nicht immer einen Sinn ergeben. Rechenschaft schuldet Er uns schon mal nicht. Und bevor ich mich selbstgerecht erhebe und Menschen in die Kategorien „böse“ und „gut“ oder „gerecht“ und „ungerecht“ einteile, sollte ich erst mal vor meiner eigenen Tür kehren. Wie war das mit dem Splitter und dem Balken (Matthäus 7:3-5)?

Frage: Gibt es in meiner Seele Neid und Missgunst? Wo gönne ich einem anderen nicht den Regen auf seinem Feld, nur weil ich meine, er sei weniger gut oder gerecht als ich? Wie komme ich hier mit meinem Herzen näher zu Jesus, der als einziger das Recht hat, zu richten?



Donnerstag, 23. April 2020

23. April 2020: vom Reichen und vom Armen


Reiche und Arme begegnen einander; der Herr hat sie alle gemacht.
(Sprüche 22:2 // Schlachter 2000)

In diesen Tagen, eigentlich schon immer, gibt es Gewinner und Verlierer, zumindest aus finanzieller Sicht. Wenn ich mir die Aktien von Netflix oder die Verkaufspreise von FFP2 Masken anschaue, dann gibt es definitiv Gewinner. Und wenn ich an den durchschnittlichen deutschen Gastronomen oder Kneipier denke, oder wenn ich in mein bescheidenes Depot reinschaue, dann gibt es definitiv auch Verlierer.

Manchmal ärgere ich mich darüber oder ich hadere damit. Warum finde ich keine Aktien zum Schnäppchenpreis die ich dann mit viel Gewinn verkaufen kann? Warum scheinen andere ein glückliches Händchen zu haben, und ich nicht? Und dann komme ich auf drei Erkenntnisse:

1. Keinem Menschen geht es so gut, wie er auf Facebook oder Instagram tut. Also hinkt schon mal der Vergleich. Hinter der Fassade sieht es oft ganz anders aus. Das habe ich bei einem Rettungsdienst-Einsatz neulich erlebt. Was bringt das schönste Anwesen, das teuerste Auto, wenn es den Menschen drinnen nicht gut geht?

2. Mir / uns geht es sehr gut. Egal wie wenig wir zu haben scheinen, im Vergleich zu 99% (geschätzt) der Weltbevölkerung leben wir in Saus und Braus. Schalter umlegen – Licht geht an. Wasserhahn aufdrehen – Trinkwasser kommt raus. Krankenversicherung vorhanden. Kühlschrank gefüllt. Und schon tritt eine neue Bescheidenheit hervor.

3. Es hilft noch mehr, Gottes Perspektive einzunehmen. Der Herr hat die Reichen gemacht, und er hat die Armen gemacht. Er ist der Schöpfer von uns allen und er will mit jedem einzelnen Menschen eine Beziehung eingehen. Und das ist für mich der Schlüssel. Es kommt nicht darauf an, ob ich arm oder reich bin, sondern ich, Du, jeder von uns, sollte sich über seine Beziehung zum lebendigen Gott definieren.

Frage: Steht mir mein Reichtum, mein Wohlstand im Weg? Versperrt er mir meinen Blick auf den Schöpfer des Universums? Wie kann ich es in meinem Verstand und in meinem Herzen besser umsetzen, dass Gott einfach ALLE Menschen gemacht hat und dass er sie – nach seiner Fasson – mit Besitztümern ausgestattet hat?

Montag, 20. April 2020

20. April 2020: vom gekreuzigten Christus


 … verkündigen wir Christus den Gekreuzigten …
(1. Korinther 1:23 // Schlachter 2000)

Wir können über vieles reden, wenn wir mit Menschen über Gott und über unseren Glauben reden. Natürlich hat Jesus in der Bergpredigt vieles gesagt, das einfach gute Regeln für das Miteinander sind. Und die „Goldene Regel“ (Matthäus 7:12) findet sich in vielen Religionen und Philosophien dieser Welt und ist an und für sich auch nichts Schlechtes.

Doch wenn wir mit anderen, die ihn noch nicht kennen, über Jesus reden, dann gibt es eine Wahrheit, die ein essentieller Teil unseres Zeugnisses sein sollte. Das ist der Tod von Christus am Kreuz. Nicht nur Jesus (sein Name), sondern der Christus (der Messias, der Gesalbte, sein Titel) wurde am Karfreitag vor knapp 2000 Jahren ans Kreuz geschlagen.

Ohne seinen Tod (und seine Auferstehung am dritten Tag!) wäre das Evangelium eines von vielen Büchern mit guten Ratschlägen und Lebensweisheiten, und wir könnten es mit vielen anderen Büchern ins Regal stellen.

So aber, durch Christus, den Gekreuzigten, gilt:

Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt …
(Römer 1:16 // Schlachter 2000)

Samstag, 18. April 2020

18. April 2020: vom lauwarmen Wasser


15 Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach, dass du kalt oder heiß wärst! 16 So aber, weil du lau bist und weder kalt noch heiß, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.
(Offenbarung 3:15+16 // Schlachter 2000)

Vor einigen Tagen meinte eine gute Freundin, „schreib doch mal was aus der Offenbarung“. Und da ist mir heute Abend spontan diese Stelle in den Sinn gekommen. Im Auftrag schreibt Johannes einen Brief an die Gemeinde von Laodizea, und darin finden wir unter anderem diese zwei Verse. Die Gemeinde ist lauwarm, und das ist ihm ein Graus. Ihre Werke sind weder kalt noch heiß, sondern sie eiern irgendwie in der Mitte rum.

Kalt und heiß, das sind die zwei Extreme. Ich musste mir auch schon öfters sagen lassen, ich sei recht extrem. Ja, wenn ich eine Meinung habe, vertrete ich sie auch. Mit meiner Direktheit kann nicht jeder umgehen. Aber hat das nicht auch was von heiß und kalt? Im Matthäus 5:37 sagt Jesus, unsere Rede solle „Ja, ja! Nein, nein!“ sein. Das ist kalt oder heiß. Das hat für mich etwas Eindeutiges, Klares. Ich mag kein Rumgeschwurbel, kein ewiges um-den-heißen-Brei rumreden, keine politische Korrektheit. Wenn mir was nicht passt, dann sage ich es. Manchmal zu direkt, und daran muss ich arbeiten. Aber wenigstens weiß der andere, woran er ist.

Ich denke, auch in diesen Zeiten der allgemeinen Unklarheit und gelegentlichen Ratlosigkeit können klare Worte, eindeutige Aussagen absolut wichtig sein. Unsere Rede soll lieblich / gnädig sein und (trotzdem) mit Salz gewürzt, schreibt Paulus an die Kolosser (4:6). Im Epheser 4:15 werden wir aufgefordert, die Wahrheit in Liebe zu sprechen. Die Liebe und die Gnade sollen also ein wichtiger Teil unserer Sprache sein, aber allem soll die Wahrheit zugrunde liegen, und das ist gut so. Wenn ich mit jemand über meinen Glauben rede, dann kann das ewigkeits-entscheidend für den anderen sein. Das ist eine wichtige Wahrheit. Jesus selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14:6). Wenn wir in seinem Wort bleiben, werden wir die Wahrheit erkennen und sie wird uns freimachen (Johannes 8:32).

Frage: Bei aller Höflichkeit und Liebe, bei aller politischen Korrektheit und allem Gefallen-Wollen, gibt es vielleicht Stellen, an denen ich anderen Menschen die Wahrheit sagen muss? Das kann unabhängig davon sein, ob diese Menschen Brüder oder Schwestern oder noch nicht mit Jesus unterwegs sind. Solange es in Demut, Liebe und Gnade geschieht, kann das hilfreich und heilend sein.

Freitag, 17. April 2020

17. April 2020: vom Gebet


 Es geschah aber in jenen Tagen, daß er hinausging auf den Berg, um zu beten; und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott.
(Lukas 6:12 // Schlachter 2000)

In letzter Zeit habe ich mich in meinen Impulsen mit dem Gebet beschäftigt, das Jesus uns und seinen Jüngern gelehrt hat. Im Vater Unser wäre heute der Wille des Vaters dran, von dem wir bitten, dass er geschehen möge. Dazu habe ich vor einiger Zeit schon etwas geschrieben mit einem Gedicht … wer nochmal reinschauen möchte:

Heute beschäftigt mich ein anderes Thema. Vor ein paar Tagen konnte ich per Videokonferenz bei einer wöchentlichen Bibelarbeit mit dabei sein. Sie findet seit 15 Jahren jede Woche in einem Vorort von Washington DC statt. In den Tagen von Covid 19 trifft man sich im Internet, so dass ich endlich wieder teilnehmen kann. Die große Gruppe geht seit 15 Jahren durch die vier Evangelien und die Apostelgeschichte, und jede Woche ist ein Kapitel dran. Diese Woche war es der Lukas 6.

Was mich hier total nachdenklich gemacht hat, war die Passage, wie Jesus alleine auf den Berg geht und die ganze Nacht im Gebet mit Gott verbringt. Er tut das als Vorbereitung für das, was danach kommt: Er beruft aus dem Kreis seiner Jünger die 12 Apostel.

Ich finde das absolut faszinierend. Jesus nimmt sich hier einfach die Zeit, weil es wichtig ist. Eine bedeutende Entscheidung steht an, und für die braucht er die Weisheit seines Vaters im Himmel. Er vertraut nicht auf einen DISC Test oder einen Myers–Briggs Type Indicator (MBTI), gleicht nicht Bewerberprofile mit Tätigkeitsbeschreibungen ab, es gibt keine Vorstellungsgespräche oder Assessment Center.

Nein, Jesus geht einfach mit seinem Vater ins Gespräch, und bleibt dort die ganze Nacht lang. Er hat seine Prioritäten und Prinzipien eindeutig im Griff. Statt am Ende eines Tages noch schnell eine Gute-Nacht-Gebet zu sprechen oder am Morgen mit dem ersten Kaffee in der Hand die Augen und Gedanken kurz nach oben zu richten, investiert Jesus hier richtig Zeit. Es war sicherlich ein spannendes Gespräch, das er mit dem Vater geführt hat, und die Ergebnisse können sich in diesem Fall sehen lassen. Definitiv kamen 12 spannende Apostel dabei raus.

Frage: Wie treffe ich Entscheidungen? Was mache ich, bevor ich wichtige Entscheidungen treffe? Wie wichtig ist es mir, in meinem Alltag einen regelmäßigen Dialog mit Gott zu führen? Was bringe ich vor Gott … und nehme ich mir auch die Zeit, ihm zuzuhören, wenn er antwortet?

Montag, 13. April 2020

13. April 2020: von der größten Geschichte aller Zeiten


 Das ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und dies geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.
Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eines nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären. Amen.
(Johannes 21:24+25 // Schlachter 2000)

Interessante Worte sind es, mit denen Johannes seinen Bericht von Jesus abschließt. Er ist der Jünger, den Jesus liebte (seine Worte, nicht meine). Johannes, einer der beiden Söhne des Donners, vielleicht wegen ihres Feuereifers, ihres Temperaments so genannt.  Später in der Offenbarung und in seinen Briefen, ein veränderter Charakter, voller Sanftmut, Liebe, Demut. Es scheint, die Jahre mit Jesus haben ihm gut getan. Nach der Überlieferung ist er der einzige Jünger, der eines natürlichen Todes starb.

Mit den beiden Sätzen oben endet sein Werk. Er gibt Zeugnis, berichtet über die Dinge, die er gesehen, gehört, erlebt hat. Er war am Kreuz mit dabei. Und am Ufer des See Genezareth, ganz zum Schluss, beim ersten Gebetsfrühstück. Aber es ist sein letzter Satz, der mich so tief beeindruckt:

Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eines nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären.

Das müssen wir uns auf der Zunge zergehen lassen. Wir lesen über die 30 bis 35 Jahre, die Jesus von Weihnachten bis Christi Himmelfahrt auf der Welt war, in den vier Evangelien und im ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Wir können das Alte Testament studieren, und finden darin nicht nur viele Vorankündigungen, sondern auch Begegnungen mit Jesus. Aber von Johannes erfahren wir, dass es noch viel mehr gibt, als wir es uns vorstellen können. Die Welt könnte die Bücher nicht fassen. Ganz schön beeindruckend!

Frage: Was sind unsere eigenen Erfahrungen mit Jesus? Was haben wir mit Ihm schon erlebt? Und wie können wir anderen Zeugnis davon geben?

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